Do., 7. Sept. (Premiere!) bis So., 10. Mi., 13. bis Sa., 16. Sept., Mi., 20. bis So., 24., Do., 28. bis Sa., 30. Sept.
20.00 Uhr
Eintritt:
15,- / erm. 10,- Euro
Freie Platzwahl!


 

DOITSCHA (Uraufführung)

 

 

„Mama sagt, es sei beruhigend, dass der Frankfurter Beschneider ein Schächter ist, der habe das richtige Augenmaß. Ich glaube das ja nicht. Jedes Mal, wenn Mama in der Metzgerei sagt: »Den Schinken in dünnen Scheiben bitte«, sind die Scheiben ja auch total dick“.

 

ADRIANA ALTARAS beleuchtet das Leben einer Familie mit zwei Söhnen in Berlin: Sammy und David.  Der Vater ist katholischer Westfale, die Mutter kam in den Sechzigerjahren mit ihren Eltern aus Zagreb und ist Jüdin. David wäre gerne Israeli. Er ist nicht nur hochbegabt, sondern auch hochpubertär und raunzt seinen Vater beim Abendessen regelmäßig mit »Ey, Doitscha« an, was ebenso regelmäßig zum familiären Eklat führt: Deutscher zu sein, ist keine einfache Sache, erst recht nicht in einer jüdischen Familie… Eines Abends raufen Vater und Sohn so lautstark miteinander, dass Nachbarn die Polizei rufen. Ein polnisch-deutscher und ein türkisch-deutscher Polizist sorgen dafür, dass die beiden Ruhe geben. Als Sammy am nächsten Tagen erfährt, dass die Polizei da war, ist er untröstlich- weil er das Spektakel verschlafen hat….

 

Mit Aaron, Davids geliebtem Patenonkel, ist Adriana Altaras seit ihrer Jugend befreundet. Sie wollten auswandern nach Israel, für sie damals „ähnlich verlockend wie für die Surfer Hawaii“. Als Aaron stirbt, spitzt sich der Generationenkonflikt in der Familie zu. David hält nichts mehr in Berlin, er verabschiedet sich kurzerhand ins Gelobte Land, und die Erzählerin reist hinterher.

 

Auf zwei Perspektiven des bemerkenswert offen ausgetragenen Familienkonflikts konzentriert sich unsere Inszenierung: Adriana Altaras mit ihren Gedanken über die Rolle des jüdischen Lebens und seine Bedeutung für ihr persönliches und das politisch- gesellschaftliche Leben in Deutschland, die in ihrer Rede in der Paulskirche kulminieren, und der Weg ihres Ältesten. Noch beim aggressiver werdenden Geplänkel am Esstisch stellt sich beim Rezipienten der Eindruck her: Ganz normal, genau wie bei uns. Spätestens aber, wenn David als Soldat nach Israel gehen will, wird klar: Das ist etwas spezifisch anderes, als wenn einer „unsrer Jungs“ zum Bund geht, seine Parteinahme etwas anderes als deutscher Patriotismus.


In „Titos Brille“, von den Lesern geliebt und von der Presse gefeiert, hat sich die Autorin der Geschichte ihrer Vorfahren gewidmet. 2014 folgte »Doitscha«, ihr hochgelobtes zweites Buch, erschienen bei „Kiepenheuer& Witsch“. Adriana Altaras studierte Schauspiel in Berlin und New York, spielt in Film- und Fernsehproduktionen und inszeniert seit den Neunzigerjahren an Schauspiel- und Opernhäusern. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Bundesfilmpreis, den Theaterpreis von Nordrhein-Westfalen und den Silbernen Bären. Adriana Altaras lebt mit ihrer Familie in Berlin.

 

Schauspieler: TOMMASO CACCIAPUOTI, KAI HUFNAGEL, RUTH MARIE KRÖGER, SANDRA MARIA SCHÖNER

Regie und Bühnenfassung: MICHAEL WEBER. Wir freuen uns, dass wir für unsere neue Hausproduktion wieder Michael Weber verpflichten konnten. Wie in seiner erfolgreichen Regiearbeit für unsere Produktion „Am Beispiel meines Bruders“ hat er auch diesmal die Bühnenfassung des Stückes erstellt.

 

Gefördert von der Kulturbehörde Hamburg