Di., 14.(Premiere!!!) bis Do., 30. Sept. 2021 (tägl. außer montags):
20.00 Uhr
Eintritt:
20,00 Euro
erm. 15,00 Euro
Freie Platzwahl!



 

 

LISA POLITT: Die Arroganz Der Verlierer“
Mitautor, Live dabei: C. Bartz

Deutschland in den 50er Jahren: Wirtschaftswunderland. Der Vater steht auf einem Hügel und deutet mit großer Geste auf die im Tal befindliche Industrieanlage, seine andere Hand auf der Schulter seines Sohnes: „Im Ernst - sehen so Verlierer aus?!“ Dieser Cartoon hat uns zum Titel unserer neuen Produktion inspiriert: „Die Arroganz der Verlierer“.

Die Arroganz der Verlierer: Dahinter steckt ein Prinzip, das sich gerade in der Krise immer wieder zu bewähren scheint. Ob es nun um die Unterbezahlung der Pflegekräfte geht, die krank machende Unterbringung der Leiharbeiter in der fleischverarbeitenden Industrie oder die Arroganz, mit der man der Bewegung „Fridays for future“ begegnet, die uns mit unseren Fehlern konfrontiert: Es scheint sich wirtschaftlich immer noch zu lohnen, etwas zu verlieren. Den Anstand, die Vernunft, das Maß, den Verstand, die Erinnerung an das Versagen, die Einsicht, den Krieg . Wichtig dabei immer: Die Gescheiterten erklären, wie es geht. Die Autoindustrie erklärt dem Verkehrsminister, wie viel Geld sie für sie Entwicklung eines Elektroautos braucht, das andere ohne zu betrügen längst entwickelt haben, der Opa erklärt seinem Enkel den Krieg und VonUndZu Guttenberg der Regierung, wie sie in China für „wirecard“ werben soll und wie das Kapital in seiner irrsten Manifestation aussieht: Mit einem Schneeballsystem als Blaupause.

Können wir uns da irgendwie rausreden, hatten wir Vorbilder? – Nun, aus unserer Geschichte zumindest wissen wir: Es reicht nicht aus, versagt zu haben. Man muss die verweigerte Einsicht auch als Expertentum verkaufen können. Immerhin haben nach Deutschland zurückgekehrten Juden, die nach dem Krieg Entschädigung verlangt haben, oft vor denselben Richtern gestanden, die sie enteignet hatten. Das ist doch schon mal was.

Als Bewegung immer noch nicht totgelaufen: Tausende Verrückte demonstrieren ohne Maske und ohne An- und Abstand für das Ende der Corona-Regeln, während die Infektionszahlen steigen - und sorgen so für respektable Neuinfektionen in den eigenen Reihen. Doof: Mit dem Anspruch auf den gesunden Volkskörper nicht zu vereinen.

Es geht um Freiheit. Das ist der größer werdenden Gruppe dieser wilden Mischung aus ewig Enttäuschten, Zurückgebliebenen, Wissenschaftsskeptikern und Rechtsradikalen deutlich anzumerken: Reisefreiheit, die Freiheit, sich und andere zu gefährden, die Freiheit, ohne Scheu zu äußern, was einem durch die Bumsbirne schießt, sich gegen die Vernunft zu stellen - nicht zu vergessen die Junge Freiheit.

„Das Virus macht keinen Urlaub“, sagt Jens Spahn- und der deutsche Urlauber denkt sich „gut - wenn es keinen Urlaub macht, dann ist es auch nicht am Ballermann - dann kann ich da ja wohl hin und ohne Maske feiern.“ Blauer Himmel über China, Delfine im Griechischen Hafenbecken: Die Touristenorte waren schon sehr schön ohne Touristen.

Kretschmann, der Mercedes unter den Grünen, fährt gern in den Bayerischen Wald. Um dann dort zu wandern. Warum auch nicht. Ein Urlaub in Deutschland hilft immer noch am Besten gegen Heimatliebe. Am Allerbesten, wird empfohlen, bleiben wir zuhause. Und so bleibt uns zumindest die stille Hoffnung, dass auch Laschet in NRW bleibt.

 

Ein Stück von und mit Lisa Politt und C. Bartz

Diese Produktion wurde gefördert von der Kulturbehörde Hamburg