Do., 9. bis So., 12.4.
20.00 Uhr
Eintritt:
20,00 Euro
erm. 15,00 Euro
Freie Platzwahl!


 

 

LISA POLITT und GUNTER SCHMIDT („Herrchens Frauchen“) zum 35. Jubiläum:

Abschied ist ein schweres Schaf“ – unser WeihnachtsSpecial zu Ostern

Einer trage des anderen Last- ok. Aber wird das nicht auch ein bisschen schwer mit der Zeit..?
Als wir im Dezember vor 35 Jahren das erste Mal als Duo „HERRCHENS FRAUCHEN“ auf die Bühne gegangen sind, hätten wir nicht gedacht, dass das so lange dauern würde. Das war so nicht geplant.
Höchste Zeit, den grandiosen Abgang vorzubereiten: Noch mal ordentlich Anlauf ? Oder gibt der alte Körper die nötige Spannkraft für eine elegant eingesprungene Schlusspose schon lang nicht mehr her, und man landet als kraftloser Sack vor den Füßen des verstörten Publikums..? – Ein Freund hat neulich seinen Arzt um Rat gefragt: Was kann er tun gegen seine Gicht, die zunehmenden körperlichen Einschränkungen, den schmerzenden Rücken? Die Antwort: „In Würde altern“. Schön gesagt- erstmal haben!
Und als wäre das private Elend nicht schon schlimm genug, droht jetzt auch im großen Rahmen der Abschied von liebgewonnenen Errungenschaften der zivilisierten Welt: Vom Plastik, vom Billigurlaub an sauberen Stränden mit willigen Servicekräften, von der Gewissheit, dass die Armen da bleiben, wo sie hingehören. Katastrophe. Vielleicht wirklich höchste Zeit, sich mit dem erarbeiteten Wohlstand in’s Private zurückzuziehen.

Obwohl: Schade wär’s schon. Für die anderen. Das sagt sich sicher auch manch anderer Senior unseren Alters: Da ist man endlich perfekt, in der Blüte seiner Schaffenskraft, und ausgerechnet jetzt soll man aufhören- nur weil andere bedauernswerte Exemplare im selben Alter nun wirklich extrem abgebaut haben, wie man unschwer erkennen kann? – Warum merken die das selber eigentlich nicht? – Muss ’ne Alterserscheinung sein.
Was wir geleistet haben in unserer Generation, sucht nun wirklich seinesgleichen. Kompetenz bedeutet aber auch gesellschaftliche Verantwortung. Und sicher wartet doch Greta Tunberg mitsamt ihrer undankbaren Bande auf nichts sehnlicher, als dass wir ihr von berufener Stelle noch ein paar richtig gute Tipps mit auf den Weg geben. Bevor es dafür zu spät ist und wir sogar Sprichwörter wie „Abschied ist ein scharfes Schwert“ heillos durcheinander bringen: Das könnte für Verwirrung sorgen.

Tuten wir also mit heiserer Stimme noch was ins Mikro, bevor wir auch mit der Unterstützung ganzer Chöre die Internationale nicht mehr in’s Mikro gehustet kriegen. Mit Musik.

Die Kritiken (in Auszügen):

Statt eines nostalgischen Rückblicks nahm Lisa Politt eine knallharte Analyse der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation vor (…) Mit rhetorischen Fragen, die sie mit mikrochirurgischer Präzision stellt, zeigt die Künstlerin Widersprüche auf. Das ist eben der Unterschied zwischen Kabarett und Comedy. Da kann man nur hoffen, dass „Herrchens Frauchen“ auch weiterhin ihre Politik- Performance betreiben (JH, Hamburger Morgenpost)

Bemerkenswert treffsichere Übersetzungen Politts von Elvis Costello bis Beyoncé. (…) Alles übrigens musikalisch auf bemerkenswert hohem Niveau. Und dabei, das ist das große Kunststück, noch Würde zu wahren inmitten der Unwürdigkeiten. (Robert Matthies, taz)

Sie beherrscht sie noch, die böse Pointe, wo man sie nicht erwartet hätte! Das ist absolut heutiges, linkes Kabarett. (…) Politt singt eine atemberaubend gute Version von Beyoncés „Daddy Lessons“, Politts eigener Song „Heimat“, im ätzenden Vierklang „Heimat, Heirat, Heiland, Heidi“: Gruß an Heimatminister Seehofer! (…), dann folgen nur noch Zugaben: unter anderem eine herzzerreißende Version des Peggy- Lee- Songs „Ist hat all there is?“- „Wenn das alles ist, dann lass uns tanzen“, flüstert Politt. „Geh nicht“, flüstert man zurück, „bitte“. (Falk Schreiber, Hamburger Abendblatt)

LIVE DABEI: WANJA HASSELMANN, Schlagzeug

ARNE HORSTMANN, Gitarre, Bass, Keyboard