Do., 5. Dez.
20.00 Uhr
Eintritt:
15,00 Euro
erm. 10,00
Freie Platzwahl!


 

 

ROSA BEGEGNEN
Textpartitur zur Geschichte einer Hamburger Sintiza
von CHRISTIANE RICHERS

Sie war eine starke Persönlichkeit: Rosa Amanda Mechau, Sintiza und Kurzwarenhändlerin aus Hamburg-Wilhelmsburg, bekannt und beliebt für ihre Großzügigkeit und Tatkraft. Weniger bekannt war hingegen ihr in der NS-Zeit erlittenes Schicksal. THEATER AM STROM hat sich auf Spurensuche begeben und hat mit ‚Rosa begegnen’ einen einfühlsamen und intensiven Text mit Musik über eine starke Frau und Sintiza geschaffen. Er erinnert exemplarisch an das kollektive Schicksal der Sinti und Roma und ihre noch immer nicht ausreichend erzählte Geschichte.

Sie war nach dem 2. Weltkrieg eine Stadtteil-Berühmtheit in Hamburg-Wilhelmsburg und Umgebung: die Sintiza Rosa Mechau, deren offizieller Name Amanda Mechau war. Den Namen ‚Rosa’ hatten ihr die Wilhelmsburger verliehen, denn wenn sie als Händlerin mit ihren Kurzwaren durch die Stadtteile zog, trug sie immer eine Rose im Haar. Und obwohl sie selbst kaum etwas besaß, versorgte sie in den Nissenhütten in Harburg Menschen, die nichts mehr zu essen hatten, mit Brot, Leberwurst und einem Würfel Rama. Und wenn sie – wie meist in Begleitung von vielen Kindern – mal wieder ohne Fahrschein in der Straßenbahn saß und Pfeife rauchte, ließ der Kontrolleur sie gewähren: „Ach Rosa, du bist es. Das ist schon in Ordnung.“ Man kannte und liebte sie, sie und ihre Großzügigkeit.

Was aber kaum jemand kannte, war ihre tragische und grausame Geschichte. Eine Geschichte von Deportation, Unmenschlichkeit und Verlust. Am 20. Mai 1940 war sie mit vielen Familienmitgliedern und weiteren knapp tausend norddeutschen Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof im Hamburger Hafen in das Konzentrationslager Belzec abtransportiert worden. Rosa überlebte das Lager, verlor aber ihre beiden kleinen Töchter im Alter von 2 und 5 Jahren. Sie verhungerten im Konzentrationslager. Mit ihren beiden Söhnen kam sie in der Nachkriegszeit nach einer langen Wanderung durch Polen nach Hamburg zurück. Die Verfolgung in der NS-Zeit hinterließ tiefe Spuren in Rosas Leben. Lange litt sie unter den Kriegstraumatisierungen und zog erst später wieder mit ihren Kurzwaren von Haus zu Haus – wie sie es auch vor ihrer Deportation getan hatte. Amanda Rosa Mechau, geborene Weiß, starb 1983 im Alter von 70 Jahren in Hamburg-Wilhelmsburg. Ihre Nachfahren leben noch heute mit ihren Familien in dem südlich der Elbe gelegenen Stadtteil.

Wer war diese starke Frau, wie verlief ihr Leben? THEATER AM STROM hat sich auf Spurensuche begeben, Gespräche mit ihren Nachkommen und mit Hamburger*innen, die sich noch an Rosa erinnern, geführt und im Hamburger Staatsarchiv recherchiert. Aus Rosas biographischen Splittern, familiengeschichtlichen Aspekten der Ensemblemitglieder sowie aktuellen Bezügen ist eine Textpartitur entstanden, die aufrüttelt und zeigt, wie wenig die Geschichte der Sinti und Roma bis heute erzählt wurde, wie ungenügend dieser Opfergruppe erinnert wird und wie sehr Vorurteile gegen sie bis in die heutige Zeit reichen. „Deshalb ist es uns so wichtig, dass Rosas Geschichte selbstverständlicher Teil der Hamburger Erinnerungskultur wird“, so die Autorin Christiane Richers.

Das Ensemble von Theater am Strom besteht aus der Autorin und Sprecherin Christiane Richers und der Sprecherin Gesche Groth, dem Jazz-Saxophonisten Kako Weiß, dem Schlagzeuger Dieter Gostisch und dem Regisseur Marcel Weinand. Für die Produktion hat der österreichische Künstler Manfred Bockelmann ein Porträt von Rosa Mechau gezeichnet.

Die Produktion wurde gefördert von der Alfred Toepfer Stiftung und der Landeszentrale für politische Bildung.

www.theateramstrom.de