Di., 19. Sept.
20.00 Uhr
Eintritt:
Einheitspreis 10,- Euro
Freie Platzwahl!


 

KARL HEINZ ROTH:

„Reparationsschuld - Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa“

 

Die  Reparationsfrage  ist  nach  wie  vor  ein  brisantes und umstrittenes  Kapitel  der  deutschen Nachkriegsgeschichte.  Während  die  großen  Siegermächte  in  den  ersten  Nachkriegsjahren  umfangreich  entschädigt  wurden,  gingen  die  kleineren Länder  Europas  und  zahlreiche  Opfergruppen  weitgehend  leer  aus.  Zu  ihnen  gehörte  auch  Griechenland,  das  bis  auf  den  heutigen  Tag vergeblich  Entschädigungen  für  die  Opfer  der  Massaker  und  die  Ausplünderung  seiner  Volkswirtschaft einfordert. Nach dem Krieg wurde in der BRD alles getan, um die offenen Forderungen  nach  Reparationen  und  Entschädigungen  zahlreicher  Opfergruppen  und  Länder  abzuwehren.  Bis  heute  haben  sich  alle  Bundesregierungen  der  Nachkriegszeit  einer  umfassenden,  alle ehemals  besetzten  Länder  und  alle  Opfergruppen  einschließenden  Kriegsentschädigung    verweigert. 

In  den  derzeitigen  Verhandlungen  der  Europäischen  Zentralbank,  der  EU-Kommission  und  des Internationalen  Währungsfonds  mit  Griechenland  über  die  Fortsetzung  des  Schuldendienstes fordert  vorrangig  Deutschland  weitere  Maßnahmen,  die  anhaltend  zu  Verarmung  und  wirtschaftlichem Ruin führen. Die eigenen Schulden infolge von Krieg, Vernichtung und Besatzung in den Jahren 1941 bis 1944 wurden dabei längst unter den Tisch gekehrt. Jedoch sind die heutigen Gläubiger- und Machtverhältnisse ohne die Geschichte nicht denkbar. 

Dabei geht es insbesondere um die deutsche Zwangsanleihe bei der griechischen Zentralbank, das der jüdischen Gemeinde Thessaloniki geraubte Gold sowie die Entschädigung der über 100 griechischen Märtyrerdörfer, in denen die Wehrmacht und die SS Massaker unter der Zivilbevölkerung anrichteten. Die Autoren plädieren dafür, diese Forderungen im Rahmen der OSZU zu verhandeln und wenigstens teilweise zu erfüllen.“  (Auszug)

Dr. Dr. Karl Heinz Roth (Stiftung für Sozialgeschichte, Bremen) und Hartmut Rübner analysieren in diesem im Frühjahr 2017 im Metropol Verlag erschienen Arbeits- und Dokumentenband die Kontexte, die strategischen Optionen und Taktiken des deutschen Vorgehens, die in der Ausklammerung der Reparationsfrage aus dem De-Facto-Friedensvertrag von 1990 („Zwei-plus-Vier-Vertrag“) kulminierten.

Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung, dem Metropol Verlag sowie der Buchhandlung Seitenweise. Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/J92HL/reparationsschuld-hypotheken-der-deutschen-besatzungsherrschaft-in-griechenland-und-europa/