Sa., 18. Febr.
20.00 Uhr
Eintritt: 15,- / erm. 10,- Euro
Freie Platzwahl!


 

KAI DEGENHARDT:

"Lieder gegen den rechten Aufmarsch – von damals und von dieser Zeit"

 

Ich bin politischer Liedermacher – was sonst.

„Liedermacher“ ist für mich der deutsche Begriff für „Singer-Songwriter“. Dass er nicht gleichbedeutend damit ist, liegt daran, dass es in Deutschland nationale Eigenheiten gibt, die dem Genre zugrunde liegen. Im Klartext: Die Nazis haben im 20. Jahrhundert die traditionelle deutsche Liedkultur derartig missbraucht, verschüttet und zerschreddert, dass sich – anders als in anderen Ländern – nachfolgende Generationen darauf nur gebrochen und mit äußerster Vorsicht beziehen können. Und das gelingt eigentlich immer nur dann, wenn man mit einer klaren antifaschistischen Haltung daran geht und immer auch das konkret Gesellschaftliche, das Politische also, miteinbezieht. In genau dieser Lieder-machertradition sehe ich mich, und ich halte den Ansatz gerade heute wieder für besonders wichtig, da der europaweite Aufmarsch rechter Parteien und Bewegungen den Faschismus als äußerstes Mittel zur Rettung bürgerlicher Herrschaft in der Krise wieder als reale Option erscheinen lässt.

So finde ich es auch folgerichtig, und es macht mir zudem großen Spaß, in meinem aktuellen Live-Programm wieder viele Lieder aus dem Familien-Fundus zu spielen, dem guten alten Degenhardt also. Aus den „Guten alten Zeiten“, in denen alte und neue Nazis wieder in westdeutsche Parlamente einzogen, August der Schäfer die „Wölfe mitten im Mai“ hörte, während der Fremdarbeiter und Wirtschaftsasylant „Tonio Schiavo“ sein Paradies in Herne suchte und die Schmuddelkinder die geschichtsvergessenen Aufsteiger- und Leistungsträgerhoffnungen der Adenauer-Wohlständigkeit in den Kaninchenställen zersägten. Lieder, die auf fast unheimliche Weise heute wieder von geradezu erschütternder Aktualität sind.

Diese verblüffende Brisanz sowie der Verschnitt des alten Materials mit meinen eigenen Songs aus dem neoliberalen Hier und Jetzt sorgen dafür, dass – trotz allem Wiedererkennungseffekt – keine falsche Nostalgie aufkommt, vielmehr eine bewusste Konnotation mit den heute wieder herrschenden Zuständen stattfindet. Ich spiele außerdem gut Gitarre und benutze auf der Bühnen ab und zu einen „Loop-Recorder“. Damit sample ich live kleinere musikalische Phrasen, schichte sie übereinander und benutze sie als Live-Playback, was das Ganze mit ein paar modernen Sound-Elementen anreichert und für einige musikalische Überraschung sorgt.

Geboren 1964, arbeitete ich mit meinem im Jahr 2011 gestorbenen Vater Franz Josef Degenhardt über 20 Jahre lang als Arrangeur und Gitarrist zusammen und habe von 1987 an auf sämtlichen seiner Alben und diversen Tourneen mitgewirkt. Seit 1997 habe ich fünf eigene Alben veröffentlicht. Das letzte, „Näher als sie scheinen“, erschien im Frühjahr 2012. Die Vereinigung Preis der deutschen Schallplattenkritik wertete es, wie auch schon das Vorgängeralbum „Weiter draußen“, als eine der künstlerisch herausragenden Neuveröffentlichungen des Tonträgermarktes und zeichnete es durch Aufnahme in die Bestenliste aus. Meine nächste CD mit dem Arbeitstitel „Auf anderen Routen“ ist in Arbeit und wird 2017 erscheinen.

„...Kai Degenhardt ist einer der wenigen Liedermacher seiner Generation, der sowohl mit einer klaren politischen Position als auch mit musikalischen Ideen aufwarten kann.“ (Jazzthetik)

www.kai-degenhardt.de