Sa., 11. Febr.
20.00 Uhr
Eintritt: 15,- / erm. 10,- Euro
Freie Platzwahl!


 

ROBERT STADLOBER liest

Christian Geissler: „Das Brot mit der Feile“

 

Ahlers, Schlosserhelfer, 17 Jahre alt, findet alles „ganz schön kaputt“, „und wenn du arbeitest und die sagen, du bist in Ordnung, reißt deine Stunden runter, klackklack, und die sind auch mit dir zufrieden, aber du selber, also mal ehrlich, nie richtig zufrieden bist doch nie irgendwie, logo, siehst du, und das ist mir wichtiger.“

Hamburg Anfang der 1960er Jahre: Ahlers arbeitet als Bauhelfer am neuen Polizeipräsidium Berliner Tor. Er lebt bei seiner Großmutter im Souterrain in der Weidenallee. Zum Bund kommt er in die Boehn-Kaserne in Rahlstedt. Bei der Sturmflut ’62 zieht er die Mutter von seinem Vorgesetzten aus dem Wasser. Jetzt ist er „Ratjens Mann“, der verspricht ihm eine Lehrstelle und eine Wohnung … Glück hat Ahlers auch mit seiner Freundin Nina …

„Das Brot mit der Feile“ erschien erstmals 1973. Der Roman ist Hamburg: Hamburger Geschichte, Geschichte von unten. CHRISTIAN GEISSLER (1928-2008), Autor und Fernsehmann beim NDR, Redner auf Kundgebungen gegen Wiederbewaffnung und Notstandsgesetze, erzählt die Geschichte eines politischen Aufbruchs. Ahlers und seine halbstarken Kumpel geraten in den Sog der Zeit. Sie erleben ihre Verhältnisse als Gewalt und beginnen, sich zu wehren. Aber wie? Und gegen wen? Ahlers lernt Nina und ihre Familie aus dem Widerstand kennen, den Kommunisten Beck, Studenten des SDS und auch Proff, das Alter Ego des Autors. Geissler begibt sich auf Augenhöhe mit seinen Figuren und mitten hinein ins Geschehen. Seine präzise Beobachtung, die in Sprache gespeicherten Erfahrungen konkreter Menschen, weisen über die Zeit und den Ort hinaus. Er spinnt die Fäden bis in die Zeit des Kieler Matrosenaufstands, zum Krieg in Algerien und zur Militärjunta in Griechenland. So öffnet er den Raum auch für die Erfahrungen seiner Leser – auch heute noch. Darin liegt die Faszination, die von der Wiederentdeckung seiner Romane im Verbrecher-Verlag ausgeht: Das Tempo, der Rhythmus der Sprache, die Atemlosigkeit tragen dazu bei. Und kaum jemand liest Geissler so atemberaubend wie der Schauspieler ROBERT STADLOBER: „in benennender Festlegung wie phantastischer Dynamik“, wie Dietmar Dath in der FAZ über eine Lesung in Berlin berichtet, „hier ist die Idyll der Liebenden, Verschnaufpause des Glücks, aber im nächsten Augenblick brüllt das Unrecht dazwischen, bricht jedoch nicht einfach von außen herein, sondern auch aus den Figuren selbst hervor.“

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Christian-Geissler-Gesellschaft und dem Verbrecher Verlag. Ab sofort werden in unregelmäßigen Abständen Bücher des Verbrecher Verlages im Polittbüro vorgestellt.